Dialog

     

07.11.2007

Roter Teppich für kreative Köpfe

2007 ist ein weiteres Rekordjahr für den Maschinenbau. Die Personalentwicklung aber läuft dem Boom hinterher. Eine Umfrage des VDMA ergibt, dass die Zahl der offenen Ingenieurstellen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Manfred Wittenstein nutzte seine erste Pressekonferenz als VDMA-Präsident, um Konzepte gegen den Ingenieurmangel vorzustellen.

Der Zug ist vollgepackt, jetzt muss die Ladung nur noch transportiert werden. Allein, es fehlt an Lokführern, um den deutschen Maschinenbau mit Höchstgeschwindigkeit voranzutreiben. Hierzulande vermeldet der Anlagen- und Maschinenbau mindestens 8000 bis 9000 offene Ingenieurstellen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle "Ingenieurerhebung" des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). An der Befragung, die der Verband alle drei Jahre durchführt, nahmen 431 der fast 3000 Mitgliedsfirmen teil.

Von ihnen betonen 74 %, dass ihr Bedarf an Ingenieuren in den nächsten fünf Jahren weiter steigen werde, 21 % gehen davon aus, dass er gleich bleibe. Die Folge sind künftig noch mehr offene Ingenieurstellen, prophezeite der neue VDMA-Präsident Manfred Wittenstein bei der Präsentation der Ergebnisse, "denn mit den Hochschulabsolventen allein können die Unternehmen ihren Bedarf nicht decken".

Eine Ursache des Ingenieurmangels sei, dass der Anteil der Ingenieure an der Gesamtzahl der Beschäftigten im Maschinen- und Anlagenbau kontinuierlich steigt. Er beträgt laut VDMA-Befragung zurzeit 16,5 % und ist somit fast 5 %-Punkte höher als 1997. Von den 915 000 Beschäftigten im Maschinenbau sind heute 148 200 Ingenieure.

Junge Ingenieure müssten nicht befürchten, dass sie in einigen Jahren wieder auf der Straße stehen. Hinzu komme, dass sich in den Unternehmen verstärkt das Bewusstsein entwickle: Wir müssen mehr dafür tun, dass unsere jungen Ingenieure auch in zehn Jahren noch die benötigte Kompetenz haben und flexibel einsetzbar sind.

Für Wittenstein ist zudem der Zenit der Auslagerung von Werken und Produktionsbereichen ins Ausland überschritten. "Je mehr Hightech die Unternehmen produzieren, um so schwerer lassen sie sich ins Ausland verlagern." Auch deshalb betonten bei der Befragung fast drei Viertel der Betriebe: Wir wollen in Deutschland intelligent produzieren - für die Welt.

Begründet ist dieses Ja zu Deutschland auch in den gestiegenen Umsatzrenditen. "Wer mehr Gewinn erzielt, kann auch mehr Eigenkapital bilden, und wird dadurch unabhängiger von den Banken und resistenter gegen kurzfristige Konjunkturzyklen", unterstrich Wittenstein. Dies sei gerade für den mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbau sehr wichtig.

Die Bemühungen, mehr Frauen für den Ingenieurberuf zu erwärmen, stießen bislang auf wenig Resonanz, beklagt der VDMA. Ihr Anteil an den Ingenieuren und ingenieurwissenschaftlichen Studenten liege seit 2001 knapp unter 6 %. Hier gelte es, anzusetzen.

Einen weiteren Hebel sieht der Verband bei den Studienabbrechern. Ihre Quote beträgt bei den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen 34 %. Junge Menschen hätten durch die Studienwahl technisches Interesse signalisiert und ließen sich eventuell für eine Facharbeiterausbildung gewinnen.

Besonders gefragt werden in den kommenden Jahren im Maschinen- und Anlagenbau Ingenieure der Richtung "Maschinenbau/Verfahrenstechnik" sein. 86 % der Unternehmen signalisieren hier Bedarf. An zweiter Stelle folgen die Elektrotechniker (59 %) vor den Wirtschaftsingenieuren (30 %).

Exzellente Aussichten eröffnen sich Ingenieuren in Forschung, Entwicklung und Konstruktion (84 %) gefolgt vom Vertrieb (63 %), der die höchsten Zuwachsraten aufweist. 30 000 der im Maschinen- und Anlagenbau tätigen Ingenieure arbeiten bereits in diesem Segment, jeder Fünfte also.

Den Vertrieb habe das Studium bislang nicht entsprechend gewürdigt. An deutschen Hochschulen würden viel zu wenige Fachleute ausgebildet. Deshalb beteilige sich der VDMA federführend an der Konzeption eines entsprechenden Bachelor-Studiengangs an der Berufsakademie Bad Mergentheim.

Und das, obwohl der Verband Bachelor- und Masterstudiengängen, die das Diplom-Studium zunehmend ablösen, skeptisch gegenübersteht. Der VDMA befürchtet, dass bei der Umstellung ein Teil des internationalen Renommees der Diplom-Abschlüsse verlorengeht. Keinesfalls dürfe dieses Plus "der Gleichmacherei einer europäischen Einheitsausbildung geopfert werden".

Als problematisch erachtet der Verband, dass Anforderungsprofil und Ausbildung bei vielen Berufen "immer weniger zusammenpassen". Neue Berufsbilder benötigten zugeschnittene Ausbildungen. Der VDMA arbeitet deshalb an der Entwicklung neuer Berufsbilder mit - etwa dem des Produktionstechnologen. Diese "Fachkräfte für die intelligente Produktion" sollen Produktionsprozesse in Unternehmen "erproben, sichern und optimieren".

Das Berufsbild wurde in weniger als einem halben Jahr entwickelt, lobt Wittenstein die Politik. Nun liegt es zum Erarbeiten der Lerninhalte für den Berufsschulunterricht bei den Ländern. Ab Herbst 2008 soll mit dem Ausbilden von Produktionstechnologen begonnen werden.

Quelle: VDI nachrichten, Düsseldorf, 19. 10. 07, ws

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