Mobilfunkexperte kandidiert für IfKom Bundesvorstand

Der Diplomingenieur Mathias Hoder wird am 19.09.2008 als Beisitzer für den IfKom Bundesvorstand kandidieren, der 46jährige wohnt mit seiner Familie in Bonn und ist bei Detecon International GmbH als Managing Partner beschäftigt. Der Fachmann ist  verantwortlich für die Betreuung von Industriekunden in Telekommunikationsthemen sowie für die Beratung von Netzbetreibern und IT/TK Dienstleistern in Deutschland. Als Mobilfunkexperte ist er Mitglied in der IfKom Arbeitsgruppe Wettbewerb und Regulierung.

Das Interview mit Mathias Hoder führte Detlev Maaß.

IfKom: Herr Hoder, stellen Sie sich kurz den IfKom Mitgliedern vor, beschreiben Sie kurz die wesentlichen Stationen Ihres beruflichen Werdegangs.

Hoder: Nach meinem Studium der Informationstechnik am Informatikzentrum der TU Dresden war ich bis 1990 in der Grundlagenentwicklung tätig und habe mich mit neuartigen  Modulationsverfahren befasst. Danach begann für mich eine spannende Zeit beim Aufbau des D1 Netzes und der Weiterentwicklung des GSM Standards. Es war phantastisch, eine Zeit von unglaublicher Kreativität, Elan und Kollegialität erleben zu können und an der großartigen Entwicklung des Mobilfunks mitzuwirken. Mitte 1993 wurde das Detecon Projektteam von weit mehr als 650 Leuten ausgegliedert in eine neue Gesellschaft: Wir wurden zum Kern der T-Mobil. Ich übernahm damals die Leitung des Testanlagenbetriebs. Mitte 1997 wechselte ich dann zurück zur Detecon und ging für 15 Monate als Projektleiter für ein Netzbetriebs- und Optimierungsprojekt nach Malaysia. Dort habe ich erlebt, dass nicht primär die vielen verbliebenen Fehler in der Software der Systeme zu Problemen im Betrieb führen, sondern eher der Umstand, dass die Leute aus verschiedenen Bereichen zu wenig miteinander reden oder sich nicht um die entstandenen Probleme kümmern. Malaysia ist übrigens ein wunderbares Land. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland übernahm ich dann eine Mannschaft von Beratern, die sich mit Funktechnik befassen. Die weltweiten Projekte umfassten die Themenfelder von der Planung bis zum Betrieb, von der Wirtschaftlichkeitsberechnung bis zur Prozessorganisation. Seit 2006 leite ich einen Vertriebsbereich für Beratungsprojekte in der deutschen Industrie, die einen Schwerpunkt in der Telekommunikation haben.
 
IfKom: Wie sind Sie zur IfKom gekommen?

Hoder: Man könnte sagen, über Mundpropaganda: Mein Kollege Rolf-Edgar Barth ist seit vielen Jahren in der IfKom aktiv und hat mich Stück um Stück an die IfKom herangeführt. Ich kenne ihn seit den frühen Jahren des D1-Projekts. Ich habe ihn einmal für die IfKom vertreten und einen Vortrag an der Fachhochschule Rhein-Sieg gehalten. Später bin ich dann auch von mir aus aktiv geworden und habe weitere Vorträge zu aktuellen Themen der Informationsgesellschaft auf beachtenswerten Foren der IfKom gehalten. Und an so manch einer interessanten Werksbesichtigung, die die IfKom organisiert hat, habe ich mit Freude teilgenommen. Das erweitert den eigenen Horizont und öffnet uns für neue Ideen.
 
IfKom: Was hat Sie bewogen innerhalb der IfKom mehr Verantwortung zu übernehmen und für den IfKom Bundesvorstand zu kandidieren?

Hoder: Es genügt nicht, nur über Trends oder Mißstände zu reden, wenn man sich selbst in der Lage sieht, Dinge gestalten und verbessern zu können. Die IfKom hat viele gute Ideen und engagiert sich sehr in Fragen wie beispielsweise der Ausbildung und Förderung junger Menschen. Hier möchte auch ich aktiv werden.
 
IfKom: Welches Thema innerhalb unserer Branche – ITK - findet zurzeit in der Öffentlichkeit zu wenig Beachtung, wo sehen Sie die Ursachen dafür.

Hoder: Die Anzahl der Arbeitsplätze von Telekommunikationsexperten wird in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen, während insbesondere in der IT die Fachleute knapp sind. Hier gibt es einen großen Bedarf an gezielter Beratung und Weiterbildung. Dies  ist ein gesellschaftspolitisches Problem, für das wir die Bildungspolitik sensibilisieren müssen. Gleichzeitig müssen wir konkrete Maßnahmen vorschlagen und auch an der Gestaltung der Inhalte mitwirken.

IfKom: Ein Schüler der Sekundarstufe 2 fragt Sie, was er studieren soll. Können Sie unsere Branche empfehlen. Welche Akzente sollte die IfKom bei der Förderung des Nachwuchses setzen?

Hoder:  Sicher kann man unsere Branche empfehlen. Nur liegt der Schwerpunkt künftig etwas anders, als heute. Netze, Software, Datenbanken, künstliche Intelligenz etc. werden auch in 20 Jahren noch stark nachgefragt sein. Die Dinge werden komplizierter und die Problemstellungen komplexer. Da sind Experten gefragt. Wenn die Ausbildung sich darauf einstellt, haben die Absolventen eine gute Perspektive. Elektrotechnik, Informatik und Betriebswirtschaft in einer guten Balance in der Ausbildung ermöglichen ein sehr breites Spektrum für den beruflichen Einstieg. Wichtig sind die Kompetenzen, gut abstrahieren und systematisieren zu können, strategisches Denken,  Kreativität und – ganz entscheidend – zwischenmenschliche Kommunikation. Letzteres ist allerdings eine Frage der guten Kinderstube, einem zunehmend kränkelndem Bereich. Wir haben heute einen Mangel an Ingenieuren und es ist ein nur mäßiges Interesse bei den Schülern für das Studium der Ingenieurwissenschaften zu verzeichnen. Das belegt erneut eine brandaktuelle Studie die vor wenigen Tagen erschienen ist. Hier sollte die IfKom sich engagieren und Wege in die Zukunft aufzeigen.
 
IfKom: Die Ifkom haben sich positioniert und werden im Herbst Regionalkonferenzen zum Thema: „Bandbreite für Alle - statt digitaler Spaltung“ durchführen und den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen. Ich selber habe Familie und demnächst werden 4 Personen das Netz mit unterschiedlichen Medien nutzen, wie viel Bandbreite gestehen Sie uns zu.

Hoder: Die Frage nach der Bandbreite ist im Grunde sekundär. Eher muss es doch heißen „Welche Anwendungen sehen Sie?“ Zum einen ist da die Anwendung der e-Mail oder des Internet-Browsers. Ich kann mich noch gut an meine Zeit in Malaysia erinnern, als ich 1997 Internet mit weniger als 56 kBit/s (brutto) zügig nutzen konnte. Da gab es kaum Seiten mit aktiven oder bewegten Inhalten. Heute ist  man mit zwei gebündelten ISDN Kanälen schon stark ausgebremst und nahe dem Verzweifeln. Normalerweise kommt man heute noch mit 1 MBit/s noch ganz gut aus.  Das ändert sich jedoch mit beliebten Anwendungen wie Google Maps, die für einen zügigen Seitenaufbau schon mindestens das Doppelte vom Netz fordern. Die 2 MBit/s reichen dann auch noch für das Büro zu Hause, wenn man eine Tunnelverbindung zur Firma nutzt. Beim Versand von Bildern für die Entwicklung in einem Fotolabor sind die gängigen 256 kBit/s im Uplink schon eine Zumutung. Wirklich spannend wird es aber erst, wenn Entertainment wie Spiele oder Video dazukommen. Dann sind je nach Anzahl paralleler Nutzungen schon bald 20 bis 100MBit/s erforderlich. Zugestehen würde ich diese Bandbreite jedem, der sie haben möchte, nur wird sie sich am Ende nicht jeder gleich überall leisten können. Als Grundversorgung sehe ich heute 2 MBit/s an, auf die jeder mindestens zu Hause haben sollte. Das ist ausreichend für Kommunikation, Information und Bildung – wohlgemerkt heute.
 
IfKom: Mit welchem Thema / mit welchen Themenfeldern wollen Sie sich bei der Ifkom engagieren?

Hoder: Es sind zwei Themenbereiche, in denen ich mich engagieren möchte. Da ist zum einen die Regulierung. Sie bietet Chancen und Risiken zugleich und muss regelmäßig an die aktuellen Markt- und Technologieentwicklungen angepasst werden. Der Grat ist schmal zwischen Marktöffnung und Investitionsbremse.
Zum anderen ist da die Ausbildung. Für unsere Gesellschaft ist es eine der zentralen Fragen der Zukunft. Schulbildung, Berufsausbildung und auch die universitäre Ausbildung müssen sich den Veränderungen der Gesellschaft und den internationalen Trends anpassen. Wenn ich sehe, was für hervorragende ausländische Ingenieure sich bei uns bewerben und auf der anderen Seite sehe, wie viele deutsche Jugendliche heute von Interessenlosigkeit geprägt sind, dann möchte ich einen Beitrag leisten, Interesse und Engagement zu wecken.

IfKom: Die Ifkom werden am 06. März 2009 auf der CeBIT zum 50 mal ein Innovationsforum durchführen, unter dem Motto: „Netzwerke dieser Welt“

werden unterschiedliche Netzwerke vorgestellt, welche Netzwerke spielen für Sie eine wichtige Rolle?

Hoder: Für mich sind es die Netzwerke der Menschen untereinander. Hier ist für mich in erster Linie eine gute Balance zwischen privatem und professionellem Netzwerk von Bedeutung. Die Technik ist eine tolle Erfindung, die uns hilft, unsere Kontakte zu anderen Menschen unabhängig vom Aufenthaltsort aufrecht zu halten. Aber selbst die Möglichkeit, Videotelefonie zu nutzen, ist selbst heute nur für wenige Menschen wirklich interessant. Entweder, man will sich persönlich treffen, oder das Telefon reicht zur Kommunikation aus. Und das Telefon ermöglicht einem auch, nicht immer perfekt aussehen zu müssen, wenn er mit jemandem anders redet; welch unschätzbarer Vorteil…
Aber auf ein Netz möchte ich auf keinen Fall mehr verzichten: Das Internet. Information, Weiterbildung, Reisebuchung und vieles mehr sind fester Bestandteil meines Lebens geworden; und ich schätzte diesen Komfort.
 
Ifkom: Was mir noch wichtig ist…..

Hoder: …ist eine Verjüngung der IfKom. Nicht nur auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommen weniger Absolventen pro Jahr dazu, als Ältere ausscheiden; auch bei der IfKom sollten sich mehr jüngere Ingenieure engagieren. Vielleicht gelingt uns dies.

IfKom: Herr Hoder vielen Dank für das interessante Gespräch, wir freuen uns auf Ihre Mitarbeit bei der IfKom

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