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21.12.2009
Leben in Netzwerken
![]() Gruppe Wolfsburg ![]() Frau Krämer ![]() Herr Bischoff und Herr Giersch ![]() Herr Knoch ![]() Herr Grasedieck ![]() Herr Biernath ![]() Flip Chart |
"Einzelkämpfer" haben in den meisten gesellschaftlichen Bereichen keinen guten Stand. Vielfach sind Beziehungsnetzwerke dafür ausschlaggebend, welche Chancen und Möglichkeiten sich in beruflichen und privaten Zusammenhängen ergeben. Dieses Funktionsmuster findet sich in so unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kirchen, aber auch Kriminalität. Die modernen elektronischen Vernetzungsmöglichkeiten sind dafür von großer methodischer Bedeutung. Nach welchen Kriterien arbeiten gesellschaftliche Netzwerke, welche Strukturelemente sind für sie typisch und wie sind die unterschiedlichen Netzwerke im Einzelfall zu beurteilen?
Diese Thesen und Fragen wurden in einem 3-tägigen Seminar vom 2. Bis 4. Dezember 2009 in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim an der Ruhr von 23 Ingenieuren des IfKom-Bezirkes Westfalen-Lippe diskutiert und hinterleuchtet.
Eine Einführung in „Die vernetzte Gesellschaft“ gab der Seminarleiter Dr. Christoph Giersch. Er erläuterte die Bedeutung, Dimensionen und Bewertung von gesellschaftlichen Netzwerken. Wie sind die Netzwerke miteinander vernetzt oder wie verändert sich die Bedeutung/Bewertung bei unterschiedlichen Sichtweisen.
Eindrucksvoll stellte Prof. Dr. Nicole Krämer von der Uni Duisburg/Essen das Thema „Netzwerke im Netz – Der nächste Kontakt nur einen Mausklick entfernt“ vor. Im Internet existieren eine Vielzahl Netzwerken mit unterschiedlichen Formen, wie Open Source Communities (Linux), Chat Communities, Gaming Communities (World of Warcraft, Second Life), Businesskontakte (Xing, LinkedIn) und soziale Netzwerkseiten (StudiVZ, SchülerVZ, Facebook, MySpace, Twitter). Bezeichnend ist die Aussage: „Per Mausklick neue Freunde finden“! Mehr als die Hälfte aller Deutschen über 14 Jahre sind regelmäßig Online (36 Millionen Internetnutzer). „StudiVZ.net“ ist die häufigste in Deutschland angeklickte Seite.
Die Perspektiven und Motive zur Teilnahme an den Netzwerken sind meist Verständnis- und Akzeptanz-Suche für reale Belange. „Ich surfe also sind wir“! „Need to belong“, wir wollen den Kontakt zu Personen, die wir kennengelernt haben, nicht verlieren. Begleitet wurde das Thema ständig mit Diskussionen der Chancen und Risiken.
Wie wichtig ist das „Kontaktmanagement als unternehmerische Aufgabe“? Roland Bischoff von der Werbeagentur Bischoff & Team GmbH in Duisburg erläuterte die Funktionalität und den Anspruch von Netzwerken in der Wirtschaft. Vielfältige Netzwerke werden im Wirtschaftsumfeld für den wirtschaftlichen Erfolg/Zweck genutzt, wie Netzwerke mit beruflichem Hintergrund (GfW, Duisburg) mit dem Treffpunkt Kommunikation oder Netzwerke mit sozialer/gesellschaftlicher Orientierung. Hierbei geht um ehrenamtliches Engagement in Caritativen Institutionen oder im Kunst- oder Kultur-Bereich. Zum Beispiel Lions Club mit dem Motto „WE SERVE“. Einer der Grundsätze hierbei ist, „Kein Club soll die finanzielle Bereicherung seiner Mitglieder zum Ziel haben!“ Als weiteres Netzwerk kann der „Klüngel“ (hier positiv betrachtet, Begriff aus dem Rheinland) mit dem Tenor „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Man kennt sich, man hilft sich“ betrachtet werden.
„Der Nimbus des Geheimen“ – Selbstverständnis und Aufgabe religiöser Netzwerke und Vereinigungen. Einblick in dieses Mysteriöse Thema gab Prof. Dr. Wendelin Knoch, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Ruhruniversität Bochum und Mitglied des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Im Focus standen der Beginn des Christentums mit dem Weg von der neutestamentlichen Gemeinde zur Großkirche und der Weg der Kirche vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Wie wurden religiöse Netzwerke und Vereinigungen und deren Selbsteinschätzung und Formung öffentlich wahrgenommen? Durch Etikettierung und Erkennungszeichen, emotionaler Hintergrund kritischer Wahrnehmung, Fremdempfehlung oder Bedeutung religiös-kirchlicher Bindung als Beurteilungskriterium. Geistliche und laikale Gemeinschaften haben Unterscheidungen auf Basis eines gemeinsamen Fundaments. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem hat als Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. Die Grundhaltung die Ritter auszeichnen sind Beständigkeit, Maß, Treue und Mildtätigkeit.
„Klüngel oder kooperative Strukturen? – Beziehungsgeflechte in der Politik“ ein interessantes Netzwerk-Thema, welches Dieter Grasedieck, MdB (1994 – 2009), Sprecher der Ingenieure, mit vielen Beispielen darstellte. Klüngel (positiv betrachtet) ist der Schlüssel zum Erfolg. Kooperative Strukturen in der Gesellschaft und Industrie mit der Bildung von Genossenschaften zum Zweck einer besseren Verhandlungsbasis. Das Grundprinzip der Clusterbildung ist das verbessern innovativer Kräfte in der Wirtschaft und in Organisationen. Bevor ein Netzwerk oder ein Cluster gebildet wird, muss eine statistische Analyse der Industrielandschaft im betroffenen Bereich durchgeführt werden. Klüngel oder kooperative Strukturen in der Politik betreffen den Klüngel und Lobbyismus in Gemeinden, Ländern und Bund um die Themen sozialer und beruflicher Probleme, Bundeswehr, Bebauungspläne, und Fördergelder zu bearbeiten. Der Klüngel oder kooperative Strukturen in Berlin bezieht sich bei den Abgeordneten auf 2 -3 Einladungen pro Jahr, 2 Einladungen pro Monat (z.B., Luft- und Raumfahrt) und dem Gebetsfrühstück (interner überparteilicher Kreis auf christlicher Basis von Abgeordneten, hier dringt keine Information nach außen).
Der Film „Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra“, Italien 2008, zeigte eindrucksvoll die gesellschaftlichen Bedrohungsszenarien durch kriminelle Vereinigungen.
Das letzte Kapitel zum Thema Leben in Netzwerken mit dem Titel „Organisiertes Gefährdungspotential – Kriminelle Netzwerke in Deutschland“ beleuchtete EKHK Peter Biernath, Kripo Essen. Wie ist die Wahrnehmung von Organisierter Kriminalität (OK) im Alltag? Die OK tritt auf als Einzeltäter/Täterzusammenschlüsse, Banden, kriminelle Vereinigungen nach §129 StGB. Zur OK zählen ebenfalls die Syndikate wie Mafia, China Connection, Rote Mafia, Yakuza, N´drangheta, Camorra, Cali-Kartell Medeelin-Kartell. Die Definition OK lautet: OK ist die von Gewinn- und Machtstreben bestimmte, planmäßige Begehung von Straftaten, die Einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere Zeit oder unbestimmter Dauer arbeitsteilig
· unter Verwendung gewerblicher oder gesellschaftlicher Strukturen
· unter Verwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel und
· unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft.
Zu jedem Themenblock könnte weit mehr gesagt und diskutiert werden, doch dafür reichen die 3 Tage nicht aus. Auf jedem Fall fahren alle Teilnehmer mit dem Gefühl nach Hause, das viele Fragen beantwortet wurden, aber auch einige noch offen geblieben sind, so dass eine Teilnahme im nächsten Jahr auf jeden Fall erforderlich ist.
Franz-Josef Müller, IfKom Bezirk Westfalen Lippe,
Dr. Christoph Giersch, Katholische Akademie DIE WOLFSBURG, Mülheim an der Ruhr
















