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BESUCH IM ZENTRUM FÜR KUNST UND MEDIEN KARLSRUHE (ZKM)
Zwei interessante Ausstellungen und der älteste noch voll funktionsfähige und originalgetreu erhaltene Röhrenrechner der Welt waren der Grund, warum sich am 22. Juni 2022 eine kleine Gruppe interessierter IfKom-Mitglieder im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) zu einem geführten Rundgang traf.
Das ZKM, dessen Intention über die Aufgaben eines Museums hinausgeht, wurde 1989 mit der Mission gegründet, die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortzuschreiben. Untergebracht ist das ZKM im 1915 bis 1918 erbauten, jetzt denkmalgeschützten Hallenbau A der ehemaligen Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG (DWM), damals einer der größten und architektonisch fortschrittlichsten Industriebauten Deutschlands.
Unser Rundgang mit der Museumsführerin begann in der Ausstellung BioMedien - Das Zeitalter der Medien mit lebensähnlichem Verhalten, die zum Nachdenken darüber anregen will, wo fängt Leben an und wo hört es auf? Gleich am Eingang wird der Besucher von einer endlosen Parade außergewöhnlicher, durch Code generierter phantasievoller Kreaturen auf einer Projektionsfläche empfangen, die am Betrachter vorbeizieht. Jede menschenähnliche Figur entsteht durch die zufällige Kombination von Parametern und programmierten Regeln und stellt jede für sich einen einmaligen Charakter dar. Neben vielen anderen Installationen und sich lebensecht bewegenden mechanischen Gebilden wurde uns als beeindruckendes Beispiel auch der spinnenförmige Roboter präsentiert, der sich über den Boden bewegt und dessen Verhalten von den biometrischen Daten des Bedieners abhängt, die über ein Netzwerk an die Spinne übertragen werden.
Die zweite Ausstellung The Beauty of Early Life. Spuren frühen Lebens lädt uns zu einer Zeitreise zu den Ursprüngen des Lebens ein. Sie zeichnet die Entstehung und das Werden der Erde und des sich darauf befindlichen Lebens nach mit einem abschließenden Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung in Abhängigkeit unterschiedlicher Szenarien der Klimaerwärmung. Fossile Fundstücke, kleine nachgebildete urzeitliche Landschaften, Schaubilder, eine Videopräsentation auf einer mehrere Meter breiten Projektionsfläche und ein auf dem Boden aufgetragener Zeitstrahl veranschaulichen den Milliarden Jahre dauernden Entwicklungsprozess auf der Erde. Der Besucher kann nur staunen über die Vielfalt und Schönheit des entstandenen Lebens und über die gegenseitigen Abhängigkeiten und Einflüsse. Andererseits schärft der Blick in die Vergangenheit das Verständnis für die Relevanz der Artenvielfalt in heutiger Zeit und führt vor Augen, welche Auswirkungen das menschliche Handeln auf alles Leben auf der Erde hat, und dass die Menschheit mit ihrem Tun nicht nur alles Leben um sich herum gefährdet sondern letztlich auch sich selbst.
Der letzte Teil der Führung sollte eigentlich dem Zuse-Rechner Z 22 gewidmet sein, für den aber durch ein Missverständnis der Museumsführerin nur wenige Minuten Zeit blieben. Hinterher stellte sich dieses Missverständnis für uns als Glücksfall heraus, denn als Entschädigung wurde uns zwei Wochen später noch einmal eine kostenlose einstündige Führung speziell zu diesem Rechner angeboten.
Der Leiter der EDV des ZKM selbst, Herr Faber, übernahm diese Aufgabe und erzählte zunächst aus dem Leben von Konrad Zuse (1910 – 1995), der 1938 den ersten elektrisch angetriebenen mechanischen Rechner Z1 baute, auf den bald darauf das nächste Modell in elektromechanischer Relaistechnik folgte. 1941 baute Zuse den ersten frei programmierbaren Computer Z 3 und kurz vor Kriegsende die Z 4. Die ausgestellte Zuse Z 22 mit der Seriennummer 13 wurde 1958 von der 1949 gegründeten Zuse KG gebaut und war der erste serienmäßig ausgelieferte Röhrenrechner in Deutschland. Herr Faber erklärte uns bis ins Einzelne dessen Aufbau und Funktionsweise sowie die Dateneingabe über einen Lochstreifenleser und die Datenausgabe über einen Lochstreifenstanzer oder einen Fernschreiber. Die mit 415 Elektronenröhren ausgestattete Z 22 war von 1961 bis 1971 an der Fachhochschule Karlsruhe in Betrieb, bis sie dort für längere Zeit abgestellt wurde. Interessant war zum Schluss zu hören, dass das weitere Schicksal des Rechners lange unklar und mit vielen Irrungen und Wirrungen verbunden war. Nur durch glückliche Umstände wurde es möglich, dass der Rechner dem ZKM 2005 als Leihgabe überlassen wurde.
Nach so vielen interessanten Informationen und Eindrücken folgte der gemütliche Ausklang des Nachmittags in gemütlicher Runde in einem nahe gelegenen Lokal, wobei sich alle einig waren, dass sich die beiden Besuche im ZKM auf jeden Fall gelohnt haben.
Menschenähnliche Figuren ziehen in endloser Folge am Betrachter vorbei





