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Exkursion ins “Technische. Museum der Schmuck- und Uhrenindustrie Pforzheim“
Am 21.09.2022 trafen sich einige IfKom-Mitglieder zu einer Führung durch das “ Technische Museum der Schmuck- und Uhrenindustrie in Pforzheim “. Das Museum ist auf Betreiben des ehemaligen Bügermeisters Wurster im Kollmar & Jordan-Haus in der Bleichstr. 81 entstanden und gibt einen Überblick über die Produktionstechniken in der Schmuck- und Uhrenindustrie im 19. und 20. Jahrhundert in der „Goldstadt Pforzheim“.
Es ist schon erstaunlich, was mit den damaligen Methoden des Maschinenbaus an Einfallsreichtum und Präzision entwickelt wurde. Damals gab es noch keine Digitalisierung, alles war noch analog und dennoch ist der erreichte Automatisierungs- und Rationalisierungsgrad, die Prüftechniken erstaunlich hoch gewesen. In einer kompetenten Führung konnten wir die einzelnen Schritte der Schmuckfertigung aus Rohblech (Messing, Kupfer, Silber …) life erleben mit Reliefprägung über mechanische Pressen und dem eingespannten Prägestempel, den zuvor ein Stahlgraveur mit dem zu prägenden Muster von Hand angefertigt hatte. Beeindruckend die Genauigkeit und die fortschreitenden Verbesserungen am Prägedruck. Anschließend wurde der Blechrand über eine horizontale Präzisionsbandsäge abgetrennt. Früher musste das das mühsam mit der Laubsäge von einem Goldschmied ausgesägt werden und nun machte das die horizontale Präzisionsbandsäge (welch ein Rationalisierungserfolg !).
Höhepunkt waren sicherlich die „Kettenmaschinen“ mit denen unterschiedlichste Formen von Schmuckketten am laufen Meter gefertigt wurden. Die Maschinen fertigten aus dem Rohdraht in mehreren Produktionsschritten (Ablängen, Biegen, Einfädeln der Kettenglieder zu einer Kette …) quasi eine fertige Kette am laufenden Band. Die Steuerung der einzelnen Werkzeuge der langsam laufenden Maschine erfolgte über analoge Kurvenscheiben, die im Werkzeugbau der Metallindustrie mit großer Genauigkeit hergestellt wurden. Erstaunlich mit welcher Präzision die einzelnen Arbeitsschritte auf der vollautomatisierten Maschine abliefen. Neue Berufsbilder entstanden im Maschinen- und Werkzeugbau und in der Produktion mit dem Maschineneinrichter und -führer. Schmuckteile aus Messing- und Kupferblech wurden galvanisch veredelt. Hierzu konnten wir die seinerzeitige Galvanik in Steintrögen mit Elektrolyt unter Gleichspannung sehen. Alles noch mit gesundheitsschädigenden Zyankali-Dämpfen, heute sind dort Absauganlagen Standard. Der Schallpegel in einer solchen Schmuckfabrik war extrem hoch, denn die Pressen und Stanzen machten einen höllischen Lärm. Wir erfuhren von den „Rasslern“, das waren die Arbeiter, die oft bis zu 15 km täglichen Fußmarsch zu Ihrer Arbeitsstätte absolvierten, um dann 10 Stunden in der Fabrik zu arbeiten und am späten Abend den gleichen Heimweg wieder anzutreten. Oft wurden Sie nach dem Zahltag auf dem Heimweg Ihres Lohns beraubt, daher der Name “ Sieh Dich für “ auf einem Abschnitt der B10 nähe Remchingen. Heimarbeit - heutiges „Homeoffice“ - war seinerzeit im Schmuckbereich auch schon ein Thema.
Interessant auch die Uhrenfertigung im oberen Teil des Museums, das Ausfräsen der kleinen Gehäuse, die Zahnradfertigung und Feder für die „Unruhe“, den Uhrenantrieb, die Lagerung der Zahnräder in Steinen (Rubine), die Fertigung der filigranen Ziffernblätter und Zeiger, ebenso eine Präzisionsindustrie in Pforzheim. Ehemalige Marken-Namen, wie die Laco-Timex-Armbanduhr mit automatischem Aufzug durch die Armbewegung sind und waren Markenzeichen, auch die Armbänder der Uhren aus Metall, das Flixo-Flex- Armband ein Pforzheimer Marken-Produkt. Eine Wende in der Uhrwerksproduktion entstand im 20. Jahrhundert mit dem Quarzwerk und dem elektrischen und hochganggenauen Antrieb über ein Quarzwerk. Auch unsere Partnerinnen erlebten die Schmuck- und Uhrenfertigung mit Staunen und vielen Überraschungen.
Nach dem interessanten und informativen Besuch des „Technischen Schmuck- und Uhrenmuseums“ trafen wir uns noch zu einer Einkehr und Abschluss im Café Rodensteiner.
Beim Drahtziehen





