Aktuelles
Bericht über die Führung des IfKom-Bezirks Südbayern durch die Ausstellung "TITANIC - Ihre Zeit. Ihr Schicksal. Ihr Mythos" im Lokschuppen Rosenheim am 14. November 2025

In der Nacht auf den 15. April 1912 rammt die Titanic einen Eisberg und versinkt nur wenig später im eiskalten Atlantik – 1.496 Menschen verlieren dabei ihr Leben, nur 712 konnten gerettet werden. Seither ranken sich zahlreiche Legenden um die „Königin der Meere“, ihr Unglück berührt und fasziniert noch heute Jung und Alt. Beim Besuch der Ausstellung „Titanic – Ihre Zeit. Ihr Schicksal. Ihr Mythos.“ im Lokschuppen Rosenheim konnten Mitglieder des IfKom-Bezirks Südbayern die Historie der Titanic und ihrer tragischen Jungfernfahrt hautnah miterleben.
Vierzig Jahre nach der Entdeckung des Wracks fokussiert man bei der geschichtlichen Aufarbeitung der Ereignisse nicht nur auf den technischen Aspekt – eine Meisterleistung der damaligen Zeit – und das Schiffsunglück, sondern stellt die Titanic in den größeren Kontext der Belle Époque: Städtewachstum, industrielle Neuerungen, Massenauswanderung und ein verändertes Reiseverhalten. Der Lokschuppen setzt dabei auf eine Mischung aus originalen Artefakten, atmosphärischen Videoinstallationen und interaktiven Stationen. Diese Kombination ermöglicht es den Besuchern, sowohl die Lebenswirklichkeit der Passagiere als auch die Konstruktion und die technischen Daten des Luxusliners nachzuvollziehen.
Geschichten von Passagieren und der Crew - vom Millionär über die Auswandererfamilie bis hin zum Heizer - schildern die Ereignisse eindrucksvoll und machen das ganze Drama greifbar.
Unser langjähriges Mitglied Reinhard Mertel, der die Führung der 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernahm, verstand es hervorragend, die gesellschaftlichen Hierarchien, die Innovationen in Technik und Verkehr, aber auch in der Kunst und Mode der frühen 1910er Jahre lebendig darzustellen und den Besuchern die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich, fachlich aktuell und fundiert näherzubringen.

Die Führung begann mit einer Einführung in die damalige Zeit, die geprägt war von Aufbruch und Erfindergeist: Die Städte wuchsen rasant. Über Berlin kreisten Luftschiffe und Doppeldecker. In London waren riesige Bahnhöfe die Kathedralen einer neuen Mobilität. Und der Eiffelturm in Paris – er war das Symbol schlechthin der Weltausstellung und damit der Schaffenskraft der Menschen.
Dennoch sahen im 19. und frühen 20. Jahrhundert immer mehr Menschen die Auswanderung nach Übersee als einzigen Weg in eine bessere Zukunft. Zwischen 1900 und 1914 zog es fast 900.000 Einwanderer pro Jahr in die USA.
In New York begrüßte die Freiheitsstatue die Ankommenden, dahinter wuchsen als Symbol der neuen Welt die Wolkenkratzer von Manhattan in den Himmel. In Detroit erfand Henry Ford das Fließband und machte damit das Auto zum Massenprodukt. Das Ford-T-Modell, das ebenfalls in der Ausstellung gezeigt wird, begann seinen Siegeszug.

In dieser Zeit standen zahlreiche Reedereien wie die britische Cunard Line, die deutsche HAPAG, die Norddeutsche Lloyd und die britische White Star Line im Wettbewerb um die Fahrten von Europa nach Nordamerika. Staatliche Zuschüsse für die Postbeförderung sicherten für manche die Existenz. Die Dampfschiffe wurden immer größer und wer das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung eroberte, gewann an Prestige. Die meisten Gewinne waren allerdings mit den Emigranten zu erzielen.
Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich jedoch das Bild: Neue Schnelldampfer verkürzten die Passage von Europa nach Nordamerika auf etwa eine Woche, die Zahl der Auswanderer ging zurück und die Nachfrage nach transatlantischen Reisen in der Ersten und Zweiten Klasse stieg. Daraufhin beschloss die White Star Line den Bau von drei fast baugleichen Luxuslinern, der sogenannten Olympic Klasse - die Olympic, die Titanic und die später in Britannic umbenannte Gigantic. Am 31. Mai 1911 lief die Titanic vom Stapel: Mit 269 Metern Länge, 28 Metern Breite, mehr als 53 Metern Höhe und 46.000 BRT war sie das größte bis zu dieser Zeit gebaute bewegliche Objekt.
Die strategische Entscheidung der White Star Line, nicht mehr am Wettlauf um das „Blaue Band“ teilzunehmen, sondern mit der Olympic-Klasse auf Komfort für die dritte Klasse und Luxus für die erste Klasse zu setzen, zahlte sich aus. Zuvor brachten die Auswanderer in der einfachsten Klasse den stärksten Umsatz - jetzt waren es reiche Geschäftsleute, die komfortabel zwischen Europa und Amerika pendelten.
Der Luxus der ersten Klasse war legendär: Den bis zu 788 Passagieren wurde viel Platz geboten, allein ca. 14.700 Quadratmeter für Kabinen, Speisesaal, Rezeption, Lounge, Rauchsalon, Veranda Café, Deckpromenade sowie Lese- und Schreibsalon. Weitere Freizeitangebote waren der Sportraum, ein Squash-Court, ein türkisches Bad und als Neuheit auf einem Schiff ein Swimmingpool. Auf der Jungfernfahrt waren 324 Gäste der ersten Klasse an Bord, darunter die 5 reichsten Männer der damaligen Zeit. Zwei Drittel der Rei-senden waren US-Amerikaner auf dem Weg in ihre Heimat.
In der zweiten Klasse umfassten die Kabinen, der Speisesaal, der Rauchsalon, die Lounge und Deckpromenade sowie die Bibliothek ca. 5.600 Quadratmeter für bis zu 564 Passagiere. 276 Reisende waren in dieser Klasse gebucht. Zwei Drittel von ihnen waren Engländer.
Für die bis zu 1.121 Reisenden der dritten Klasse standen insgesamt nur ca. 5.500 Quadratmeter zur Verfügung für Kabinen, Speisesalon, Raucher- und Gemeinschaftsraum sowie die Freiluftbereiche auf dem vorderen und hinteren Welldeck. Auf der Jungfernfahrt reisten 709 Passagiere in der dritten Klasse, mehrheitlich Auswanderer, unter anderem aus England, Irland und Schweden.
Am Mittag des 10. April 1912 legte die Titanic in Southampton zu ihrer Jungfernfahrt ab. Die Route führte zunächst nach Cherbourg, wo weitere Passagiere aufgenommen wurden. Weiter ging es nach Queenstown im Süden Irlands wo das Schiff kurz auf Reede lag, Gäste von Bord gingen und andere zustiegen. Am 11. April gegen 13:30 Uhr nahm die Titanic Kurs auf den offenen Atlantik mit 2.208 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord. Sechs Tage später sollte der Dampfer in New York eintreffen.
In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 befand sich das Schiff bei ruhiger See auf der Passage vor Neufundland, als die beiden diensthabenden Männer im Ausguck der Titanic einen Eisberg gesichtet hatten. Sie schlugen sofort Alarm und die Titanic konnte vor dem Aufprall noch leicht nach Backbord steuern. Dennoch schrammte sie gegen den Eisberg, was sechs bis sieben Sekunden gedauert hat. Betroffen waren 200 bis 225 Fuß (das entspricht einer Länge von ca. 60 bis 70 Meter) an der Steuerbordseite des Schiffs. Wie sich herausstellte, hatte der Eisberg mehrere Lecks an der vorderen Steuerbord-Seite verursacht. Wegen der hohen Geschwindigkeit der Titanic (22 Knoten oder umgerechnet rund 40 km/h), die so rasch nicht gestoppt werden konnte, drückte ein Teil des Eisbergs unterhalb der Wasserlinie gegen den Rumpf. Durch diesen Druck lösten sich Nieten, und die Außenhaut erhielt schmale, längliche Lecks. Zwei Stunden und vierzig Minuten nach dem Aufprall sank das Schiff.

In den offiziellen Untersuchungen und Gerichtsverfahren kam es zu keiner eindeutigen Klärung der Schuldfrage. Es wurde festgestellt, dass auf der Titanic die damaligen Sicherheitsstandards und seemännischen Praktiken im Wesentlichen eingehalten worden waren. In der Folge kam es daher zu einem Umdenken in wichtigen Fragen zur Sicherheit auf See.
Beim Verlassen der Ausstellung waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Der Besuch der Titanic-Ausstellung im Lokschuppen war sehr informativ und ein voller Erfolg.