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Mitglieder des IfKom-Bezirks Südbayern besuchten den Bayerischen Ingenieuretag 2026
Der 34. Bayerische Ingenieuretag am 23. Januar 2026 in der Alten Kongresshalle München stand unter dem Leitmotiv „Bauen und Gesellschaft im Spannungsfeld von Technik, Politik und Medien“ und bot ein dichtes, thematisch abgestimmtes Programm.
In ihren Beiträgen machten Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Dr. Thomas Gruber, Max Thinius und Prof. Dr. Jasmin Riedl deutlich, dass technischer Fortschritt, politische Rahmenentscheidungen und mediale Öffentlichkeit nicht nebeneinander bestehen, sondern sich wechselseitig bedingen. Gemeinsam zeichneten die Vorträge ein Bild, in dem Chancen und Risiken des Bauens, die aktive Gestaltung von Zukunft sowie die Bedeutung digitaler Öffentlichkeit für die politische Meinungsbildung klar hervortreten.

Der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer Bau, Prof. Dr. Norbert Gebbeken eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag, der das Bauen als sozialen Prozess verstand: Die gebaute Umwelt formt die Gesellschaft und wird zugleich von ihr geprägt. Gebbeken betonte, dass technische Innovationen wie BIM, Künstliche Intelligenz, 3D‑Druck, nachhaltige Baustoffe oder Drohnenüberwachung die Baupraxis grundlegend verändern können.
Diese Technologien erhöhen Effizienz, Sicherheit und Resilienz, sie bringen aber auch Herausforderungen mit sich: Die Integration in bestehende Abläufe erfordert Investitionen, veränderte Denkweisen und den Mut, Bewährtes zu hinterfragen. Entscheidend sei, dass Technik Vertrauen schafft statt Verunsicherung.
Deshalb nannte Gebbeken Aus‑ und Weiterbildung, Wissenstransfer und die frühzeitige Einbindung der Bevölkerung als zentrale Voraussetzungen für eine gelingende Transformation. Politische Entscheidungen bilden für ihn das Fundament, auf dem gebaut wird; Vergabepolitik etwa könne gezielt kleine und mittlere Unternehmen stärken und damit das Leben im ländlichen Raum sichern. Medien schließlich spielen eine doppelte Rolle: Sie können Transparenz schaffen, aber auch Konflikte überbetonen und damit die Wahrnehmung von Bauprojekten verzerren. Gebbeken schloss mit einem Appell zur Kooperation: Nur wenn Ingenieurinnen und Ingenieure, Politik, Medien und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam Verantwortung übernehmen, lasse sich schneller, nachhaltiger und menschenfreundlicher bauen.

Ministerialdirektor Dr. Thomas Gruber, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, der in Vertretung von Staatsminister Christian Bernreiter ein Grußwort zum Thema „Bauen in Bayern“ hielt, unterstrich die zentrale Bedeutung des Bauens für die Zukunftsfähigkeit Bayerns.
Angesichts von Wohnraummangel, Infrastrukturdefiziten und einer anhaltenden Wachstumsschwäche sei Bauen eine politische Schlüsselaufgabe, sagte Gruber. Er verwies auf den erheblichen Investitionsbedarf in Verkehrswege und Wohnungsbau und bezeichnete die Kreditaufnahme des Bundes sowie das Sondervermögen für Infrastruktur als notwendig und sinnvoll. Bis 2029 sollen bundesweit über 166 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur fließen, wovon Bayern besonders profitiere. Positive Signale gebe es auch im Wohnungsbau: Die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen in Bayern sei 2025 um rund zehn Prozent gestiegen.
Gruber betonte die Bedeutung der staatlichen Wohnraumförderung und kündigte für die Jahre 2026 und 2027 Bewilligungsmittel von insgesamt 3,6 Milliarden Euro an. Zugleich sprach er sich für kostensenkende Maßnahmen wie den Gebäudetyp E, standardisierte Bauweisen und die Weiterentwicklung der Bayerischen Bauordnung aus. Für leistungsfähige Straßen- und Schieneninfrastrukturen kündigte er weitere Investitionen an und warb für eine enge Zusammenarbeit von Politik, Bauwirtschaft und Ingenieuren.

Die Keynote von Max Thinius, dem einzigen Futurologen Europas, ergänzte diesen praxisorientierten Blick um eine zukunftsstrategische Perspektive: Zukunft kommt nicht von allein – sie wird gestaltet. Thinius unterscheidet sich bewusst von Trendprognosen; sein Fokus liegt darauf, wie Menschen, Organisationen und Regionen die vorhandenen Möglichkeiten erkennen und aktiv nutzen können.
Er skizzierte den Übergang vom Zeitalter der Integration in das Zeitalter der Inklusion, in dem digitale Selbstbestimmung, technologisches Folgenbewusstsein, menschliche Entfaltung und algorithmische Transparenz zentrale Werte sind. Anhand von 18 Lebensbereichen — von Gesundheit und Wohnen über Arbeit und Mobilität bis zu Kultur und Klima — machte Thinius deutlich, dass Zukunftsgestaltung multidimensional ist und Kompetenzen wie Kollaborationsfähigkeit, Kommunikationsstärke, ethische Orientierung, Innovationsfreude und analytische Sensibilität erfordert. Für Regionen sei Polyzentralität und die Fähigkeit zur schnellen Implementierung digitaler Strukturen ein Erfolgsfaktor; für Branchen gelte die Frage nicht nur, wie sie ihre eigene Zukunft sichern, sondern wie sie die Zukunft anderer positiv mitgestalten können.
Thinius plädierte für eine positive Haltung gegenüber Technologie: Richtig eingesetzt könne etwa KI menschliche Potenziale verstärken und zu einer höheren Lebensqualität beitragen.

Bei der zweiten Keynote richtete Frau Prof. Dr. Jasmin Riedl, Politikwissenschaftlerin an der Universität der Bundeswehr München, den Blick auf die politische Dimension und die Rolle digitaler Öffentlichkeit vor der Kommunalwahl.
Ihre Analyse machte deutlich, dass soziale Medien und Desinformation die politische Meinungsbildung auf kommunaler Ebene verändern und Krisenerfahrungen die Anfälligkeit für Polarisierung erhöhen. Riedl zeigte, dass ökonomische Belastungen und wahrgenommene Investitionsrückstände in Kommunen das Vertrauen in etablierte Institutionen schwächen und populistischen Narrativen Vorschub leisten können. Sie identifizierte drei Verstärker der Krisenwahrnehmung — politisch radikale und populistische Parteien, Social‑Media‑Plattformen und internationale Akteure mit schadhaften Absichten — und erläuterte, wie Plattformmechaniken negative, radikale oder falsche Inhalte begünstigen, weil das Geschäftsmodell Aufmerksamkeit belohnt. Zugleich hob Riedl die Bedeutung des kommunalen Raums als demokratisches Rückgrat hervor: Qualität der Infrastruktur, wirtschaftliche Lage vor Ort und die wahrgenommene Lebendigkeit einer Kommune sind zentrale Faktoren für Vertrauen und politische Stabilität. Ihr Projekt SPARTA demonstriert, wie Live‑Analysen von X/Twitter, TikTok und YouTube genutzt werden können, um Desinformationsdynamiken zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln.
Riedl plädierte für proaktive Kommunikation der Kommunen, den Einsatz von Monitoring‑Instrumenten und eine verstärkte Kooperation zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Medien, um faktenbasierte Information und digitale Medienkompetenz zu fördern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Vorträge ein kohärentes Handlungsmuster vorschlagen: Technik bietet enorme Potenziale, doch ihre Wirkung hängt von politischen Rahmenbedingungen, von Kompetenzen und von verantwortungsvoller Kommunikation ab.
Drei Handlungsfelder kristallisieren sich heraus:
- erstens der gezielte Kompetenzaufbau durch Fortbildung, interdisziplinäre Teams und regionale Kompetenzprofile;
- zweitens die politische Gestaltung durch transparente Vergabepolitik, nachhaltige Förderprogramme und verlässliche Regelwerke;
- drittens die Stärkung von Kommunikation und Resilienz durch frühzeitige Bürgerbeteiligung, faktenbasierte Medienarbeit und Social‑Media‑Monitoring.
Wenn diese Elemente zusammenspielen, eröffnen sich reale Chancen, die Herausforderungen des Bauens in nachhaltige, lebenswerte Räume zu verwandeln. Die IBA der Metropolregion München wurde dabei als Beispiel genannt, wie solche Kooperationen sichtbar und wirksam werden können. Die gebaute Umwelt bleibt kein Zufallsprodukt, sondern ein Versprechen an kommende Generationen — ein Versprechen, das es gemeinsam einzulösen gilt.
Den künstlerischen Rahmen der Veranstaltung gestaltete das Ensemble „Kopffarben“ aus Berlin, das durch live gemalte, animierte und großflächig projizierte Lichtmalerei tanzende Raumgemälde zu Musikstücken der Dire Straits, Rolling Stones, Deep Purple und Whitesnake entstehen ließ.