Rückblick
Bericht von der Exkursion in das Klosterstädtchen Schönau
Der IfKom-Ortsverband Heidelberg hatte kürzlich zu einer etwas anderen Exkursion eingeladen. Wir hatten bei der 1. Vorsitzenden des Heimatvereins Alt-Schönau, Frau Anne-Christel Herion-Frey, eine besondere Führung durch das Klosterstädtchen Schönau gebucht.
Das Zisterzienserkloster Schönau wurde im Jahre 1142 gegründet und war mehr als 400 Jahre lang eines der größten und einflussreichsten in ganz Deutschland. Es zählte mit dem Kloster Lorsch zu den bedeutsamsten Klöstern der Pfalzregion und wurde zum Hauskloster, d.h. auch zur Grablege für den Staufer Pfalzgraf Konrad bei Rhein und dessen Familie. Die Zisterzienser waren Selbstversorger und verfügten über umfangreiche Ländereien für die Land- und Forstwirtschaft sowie eine große Fischzuchtanlage. Nach Auflösung des Klosters durch Kurfürst Ottheinrich im Jahre 1552 siedelten sich in Schönau calvinistische Glaubensflüchtlinge aus Wallonien (damals: Spanische Niederlande) an, die die Anlage teils als “Steinbruch“ verwendeten oder für andere Zwecke umnutzten. Von dem riesigen Konvent, in dem zeitweise mehr als 300 Mönche lebten, sind deshalb nur noch wenige Gebäude und viele Mauerreste vorhanden.
Frau Herion-Frey begrüßte uns vor der evangelischen Kirche, wofür die „neuen Klosterbesitzer“ das Herrenrefektorium, den früheren Speisesaal der Mönche umgebaut hatten. An der inneren Struktur der Kirche ist dies auch noch deutlich erkennbar. Vor dem Kircheneingang ist noch ein Teil des Kreuzgangs mit dem Lavatorium (Waschbereich) vorhanden. Sehr gut erhalten sind noch das Torhaus mit dem Klostertor sowie das Klostergasthaus. Der heutige Marktplatzbrunnen ist auch noch aus dieser Zeit erhalten. Anhand der teils erst vor wenigen Jahrzehnten freigelegten Mauerreste erläuterte unsere Führerin die Funktion der einzelnen Gebäude in der großen Klosteranlage. In vielen älteren Häusern sind auch noch speziell behauene Steine eingemauert, die nachweislich vom Kloster stammen.
Nach dem Rundgang folgte ein abschließender Besuch im Museum "Hühnerfautei", dem früheren Sitz der vom Pfalzgrafen eingesetzten Vogte. Dieses Gebäude ist eines der ältesten und besterhaltenen Profanbauten (1250) in Baden-Württemberg und konnte nach aufwendiger Restaurierung im Jahr 1999 als kulturhistorisches Museum eröffnet werden. Es zeigt im Erdgeschoss eine große klostergeschichtliche Ausstellung mit einem detaillierten Modell der Anlage und im Untergeschoss Grabplatten und erhaltene Schlusssteine aus den Deckengewölben des ehemaligen Klosters. Im Obergeschoss befindet sich eine Ausstellung zur Schönauer Stadtgeschichte (1558-1803), mit Schwerpunkt als Tuchmacherstadt zum Flachsanbau, die Tuchherstellung und den Stoffdruck mit Model.
Nach Ende der Führung zeigten sich alle Teilnehmer begeistert von den Ausführungen von Frau Herion-Frey. OV-Vorsitzender Werner Leiblein bedankte sich im Namen der Teilnehmer unter großem Beifall und bedauerte die relativ kleine Zahl der Gekommenen. Leider hatten sich kurz zuvor etliche Interessenten wegen privater Termine und Erkrankungen abgemeldet. Zum Abschluss setzten sich die Kollegen noch zum gemütlichen Plausch im Café „Vierburgeneck“ in Neckarsteinach zusammen.
Text und Bild Werner Leiblein
Gruppenbild
